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Frohen Herzens mit der Last der Schultasche

Es ist ganz still. Niemand sagt ein Wort. Die Lehrerin ist noch immer aufgebracht über den Schlimmsten aus unserer Klasse. Er stört immer den Unterricht und belästigt andere auch. Trotz dieser Tatsache wartet jeder auf die „Erlösung“.

Ein schrilles Läuten durchbricht die Totenstille. Es wird schlagartig laut auf den Gängen. Alle stürmen aus den Klassen als wäre der Allmächtige hinter ihnen her. Es wird immer lauter, je weiter man nach unten gelangt. Bei den Spinden angelangt, wird es auch noch eng. Jeder will schnellstens das Gebäude verlassen. Zum Schluss sind nur noch meine Freundin und ich dort, in unserer Reihe. In den anderen ist es immer noch laut. Ein Mädchen aus der Nebenklasse kommt zu uns und fragt uns, ob wir auch davon gehört haben, dass ab Montag auch die Unterstufen zu Hause bleiben sollen. Wir verneinen es. Erfreut über diese Nachricht grinsen wir uns gegenseitig an. Ich stopfte alle meine Sachen, die Platz hatten, in meine Schultasche. Wir bedankten uns für diese tolle Information und verabschiedeten uns. Bei dem Gebäudeausgang angelangt, kam diese Nachricht erst so richtig an. Frohen Herzens, doch mit der schweren Last der Schultasche verließ ich die Schule. Ich verließ diesen Ort mit dem Gedanken, dass ich ihn nicht so schnell wieder betreten muss.

So fing alles an. Die Homeoffice-Zeit kam so unerwartet. Alle waren überfordert mit der neuen Technik. Sogar ich, obwohl ich generell keine Probleme mit Computern habe. Zuerst habe ich nur das zu tun gehabt, was wir schon in der Schule aufgeschrieben haben, das war aber sehr wenig. Ich muss gar nicht reden, dass es wenig war, da ich mich fast nicht um schulische Dinge gekümmert habe. Ich habe am Anfang gar nichts gemacht. Später habe ich an einem Tag Religion und Geografie erledigt. Dann hat mich öfters meine Klassenvorständin angerufen. Beim ersten Mal ist mir mein Handy aus der Hand gefallen. Meine Geschwister sind vor Lachen beinahe gestorben. Während des Gesprächs haben sie ihre Köpfe in die Polster gepresst, um nicht zu lachen. Ich konnte kaum sprechen, was sie noch mehr belustigt hat. Im Gespräch ging es dann darum, dass ich die Sachen von der Lernplattform machen soll und ihr die Aufgaben schicken soll. Ich habe sie um meine Adresse und um mein Passwort gebeten. Sie hat mir dann alles geschickt, doch ich bin mit diesem Passwort nicht in die Lernplattform hineingekommen. Es hat mehrere Wochen gedauert, in denen ich meiner Lehrerin immer wieder dasselbe gesagt habe. Bis mein Bruder mal den Professor, der für die Adressen zuständig ist darauf angesprochen hat. Er hat mir ein anderes Passwort geschickt, welches ich noch selber umgeändert habe. So konnte ich mal in die „Neue Lernplattform“ gelangen und meine Schulmails abrufen. Dort haben schon alle Lehrer gefragt, warum sie nichts erhalten. Ich habe mich entschuldigt und gesagt, dass ich alles nachholen werde. Englisch habe ich dann brav nach- und mitgemacht. In Französisch bin ich erst so langsam in die Gänge gekommen. Musik und Biologie habe ich auch gemacht. Mathe habe ich ein wenig gemacht und erst nach mehreren Ermahnungen den Lernstoff nachgeholt. Deutsch habe ich erst zum Ende des Homeschoolings begonnen. In der Zeit ist also nicht viel passiert.

Aber ein paar Dinge habe ich aus diesen Tagen mitgenommen: Man merkt sich Sachen viel besser, wenn man selbst recherchiert. Schieb nichts bis zum letzten Tag auf. Missbrauche das Vertrauen deiner Lehrer nicht. Achte auf Dinge, die wertvoll sind, und schätze den sozialen Kontakt, den du jetzt noch hast. Vielleicht sieht es morgen schon ganz anders aus!